Werbegemeinschaft IG Hauptstrasse Langenfeld
Wer war eigentlich Freiherr vom Stein?

Freiherr vom Stein Haus Langenfeld
Dieser Frage ging für uns Ramona Riedrich vom Stadtarchiv Langenfeld nach.

Wir alle kennen die Freiherr-vom-Stein-Straße in Langenfeld. Auch das nach Freiherr vom Stein benannte Gebäude, in dem sich heute das Kulturelle Forum befindet, ist jedem von uns ein Begriff. Wer war dieser Mann eigentlich, wann und wie hat er gelebt? Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein war Politiker. Er wurde am 26. Oktober 1757 in Nassau geboren, studierte in Göttingen und trat im Jahre 1780 in die preußische Bergwerkverwaltung ein. Im preußischen Staatsdienst stieg er bis 1796 zum Präsidenten sämtlicher Kammern in den Westprovinzen auf. Seine hier gesammelten positiven Erfahrungen mit der ständischen Selbstverwaltung prägten ebenso wie seine Bewunderung für die britische Verfassung seine politischen Anschauungen. 1804 wurde er zum preußischen Finanz-, Wirtschafts- und Handelsminister ernannt. Seine finanz- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen dienten der Vorbereitung des Kampfes gegen Napoleon. Seine Forderungen nach einer modernen Ministerialregierung konnte er jedoch nicht durchsetzen.
Nach der preußischen Niederlage im Jahre 1806 lehnte er die Aufforderung, das Außenministerium zu übernehmen, aus Abneigung gegen die Kabinettsregierung ab und wurde daraufhin entlassen. Die Erkenntnisse aus seiner Tätigkeit legte er in der „Nassauer Denkschrift“ nieder, die für Provinzen, Kreise und Gemeinden die Selbstverwaltung forderte, um allen Bürgern die Mitgestaltung des Staatslebens zu ermöglichen.
Als er nach Tilsiter dem Frieden am 10. Juli 1807 erneut als Staatsminister berufen wurde, begann er sofort mit der Durchführung der schon früher geplanten und vorbereiteten Reformen: Das Edikt von 1807 hob die bäuerliche Erb-untertänigkeit in ganz Preußen auf und beseitigte alle ständischen Beschränkungen. Die Stadtordnung vom November 1808 führte die Selbstverwaltung ein. Das Edikt vom November 1808 schuf ein modernes Staatsministerium mit Fachressorts. Weitere Reformgesetze wie zum Beispiel die Selbstverwaltung der Landgemeinden, Kreistage, Provinziallandtage wurden vorbereitet, jedoch nicht mehr durchgeführt. Nachdem ein Brief, in dem vom Stein Aufstandspläne andeutete, den Franzosen in die Hände gefallen war, bat er im Interesse des preußischen Staates um seine Entlassung, die der König am 24. November 1808 bewilligte.
Von Napoleon geächtet, lebte vom Stein als Flüchtling in Brünn, Troppau und Prag, bis ihn Kaiser Alexander I. 1812 als Berater nach Russland rief. Nach Napoleons Niederlage im Russischen Feldzug von 1812 veranlasste er den Kaiser, den Kampf über die russische Grenze hinauszutragen. Im Januar 1813 ging er in russischem Auftrag nach Königsberg und rief mit General Yorck die ostpreußischen Stände zur Erhebung auf. Danach begab er sich zum preußischen König nach Breslau, wo er das preußisch-russische Bündnis zustande brachte. 1813/14 leitete er die vorläufige Verwaltung der von französischer Herrschaft befreiten Gebiete.
Beim Wiener Kongress war er Vertrauensmann des russischen Kaisers. Er versuchte, den Gedanken eines deutschen Bundesstaates zu verwirklichen und kämpfte gegen die Wiederherstellung der alten politischen Verhältnisse. Seit 1818 lebte er zurückgezogen in Westfalen, wo er die ehemalige Abtei Cappenberg erworben hatte. Ab 1826 hatte er als Marschall (Präsident) der ersten drei westfälischen Provinziallandtage noch einmal ein politisches Amt inne. Am 29. Juli 1831 starb er auf Schloss Cappenberg.
Das besondere Interesse Freiherr vom Steins galt der Erforschung der deutschen Geschichte. So regte er im Jahre 1819 die Gründung der „Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichtskunde“ an, die die „Monumenta Germaniae Historica“ herauszugeben begann. Es handelt sich dabei um die wichtigste Sammlung der mittelalterlichen Quellen deutscher Geschichte. Die vor nunmehr genau 188 Jahre auf Bestreben von Freiherr vom Stein gegründete Gesellschaft existiert noch heute unter dem Namen „Deutsches Institut für Erforschung des Mittelalters“ mit Sitz in München.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>